»Die Arbeit >Driven< zeigt die Schmuckkünstlerin Susan Pietzsch mit einem Auto als Schmuckstück. »Ich trage keinen Schmuck, ich fahre ihn« - so lautete vor einiger Zeit der Werbeslogan einer Automarke, in dem das Klischee aufgeriffen wurde, daß der Schmuck der Frau als Dekoration und dem Mann als Geldanlage dient – doch in der heutigen Gesellschaft wird das kostbare Schmuckstück durch das Auto abgelöst, das scheinbar die gleichen Bedürfnisse erfüllt: Verschönerung, Luxus und Selbstdarstellung. Die Idee von Susan Pietzsch und Valentina Seidel war, diesen Aspekt in ihrem Portrait aufzugreifen und zu persiflieren.«
Anne Schloen, »Immaterieller Schmuck«, Katalog, Schloß Plüschow/Stadtgalerie Kiel 2004
»In der Gemeinschaftsarbeit der deutschen Fotografin Valentina Seidel und der deutschen Schmuckkünstlerin Susan Pietzsch geht es um die Kleidung und das Auto in ihrer Funktion als Statussymbole. Die Kleidung soll den Körper nicht nur bedecken, sondern auch schmücken und repräsentieren ebenso wie das Auto nicht nur fahren, sondern auch die gesellschaftliche Stellung seines Besitzers widerspiegeln soll. Auf dem Foto ist es nicht die Frau, die als Dekoration die Kühlerhaube des Autos schmückt, sondern im Gegenteil: Die Frau nimmt sich einen Teil der Autokarosserie, um sich zu schmücken. Nicht nur die Beziehung zwischen Frauen und Autos, sondern auch das Bedürfnis der Menschen nach Selbstdarstellung wird damit ironisch hinterfragt.«
Anne Schloen, »Wrapping Hood«, Katalog, Ausstellungsprojekt von Schmuck2 für mima, Middelsbrough Institute of Modern Art, 2005
»Im Bahnhof von Middelsbrough, Newcastle und Darlington hängen in Leuchtkästen, neben Werbung für Schokoriegel, zwei Fotografien von Valentina Seidel, die in Zusammenarbeit mit Susan Pietzsch entstanden. Die Motorhaube eines Austin Mini Cooper, das Klischee eines englischen Kleinwagens, den die Künstlerin vor sich hält, wird zum »Miniskirt«, so der Titel des Bildes. Zum Schmuck, zum Modeartikel wird das Autoersatzteil nur für den Moment des Fotografierens. Die Motorhaube fanden die Künstlerinnen auf einem Autofriedhof, in einem Industriegebiet gelegen. Tagsüber arbeiten hier vorwiegend Männer im Holz-Bau-und Transporthandel, nachts wird die Gegend zum Autostrich. Durch ihre Arbeit und die Glamourisierung eines Autoersatzteils, durch Einbeziehung in eine Modeinszenierung, wird dieses Gebiet, welches die Einwohner gerne >Over the Border<« nennen, in die saubere, vorzeigbare Welt der Shoppingmalls geholt.«
Grit Thönnissen, »Wrapping Hood«, Katalog, Ausstellungsprojekt von Schmuck2 für mima, Middelsbrough Institute of Modern Art, 2005
Weitere Informationen im Internet: www.schmuck2.de oder www.susanpietzsch.com